September 2007

11/13/2007

Better late than never…
By Christoph Dietzfelbinger

Der Sommer fiel in der Howson Range dieses Jahr aus. Deswegen haben Sie auch keinen Sommer-Rundbrief erhalten. Die Gletscher wurden kaum aper, die Verhältnisse für Hochtouren waren hervorragend, aber nur wenig Besucher kamen. Die allerdings hatten den raren Bergsommer am Schlawittchen: Blumen, Steinpilze, warmer Fels und weiße Gletscher. Meine Tochter Teslin badete sogar im Anderwasser, obwohl mich und alle anderen der bloße Gedanke erstarren läßt. Der viele Schnee, der auch an der Hütte erst Ende Juni schmolz, brach alle vier Brücken über die Bäche und sperrte die Wege mit zahlreichen großen Windwürfen. Das Wiederaufbauen und Aufräumen nahm alle sommerliche Hüttenzeit in Anspruch, so daß die großen Besteigungen auch heuer wieder ausfielen. Aber dafür ist der Holzstadl voll.

Wenn der nächste Winter auch nur annähernd so wird wie der letzte, können Sie sich auf sichere Schneelage von Weihnachten bis Mitte Mai verlassen Fünf Monate gute Skitouren – wo gibt es das schon? Aber nur noch vier Monate sind frei. Der März 2008 hat nur noch eine Woche frei (9. bis 16.), und die wird es nicht lange bleiben.

Ob Sie schon lang nicht mehr auf der Burnie-Hütte waren oder noch nie, es gibt einige Neuerungen, die den Aufenthalt noch bequemer machen. Seit zwei Wintern haben wir eine Sauna, in der alle Steifigkeit und Müdigkeit nach langen Touren einfach wegschmilzt. Sie ist aus Skeenatal-Zeder und man sitzt unter drei Meter Schnee bei 100 Grad Hitze. Monikas Abendessen schmeckt danach noch besser. In diesem Sommer habe ich den Kamin verstärkt und höher gebaut, so daß er auch bei katabatischem Wind nicht mehr raucht. Eine andere Neuerung ruft in mir gemischte Gefühle hervor: ich empfehle zwar, den laptop daheimzulassen, aber wenn Sie ihn bringen, können Sie Ihre Aktienkurse nachschauen oder per Skype heimtelefonieren. Um am Infoex, dem kanadischen Lawineninformationssystem, teilzunehmen mußte ich einen Satelliten-Internetzugang legen, der per WLAN auf der ganzen Hütte zugänglich ist, solang die Batterien halten. Und obwohl ich die Marder und Stachelschweine seit einem Jahr aus der Hütte ausgesperrt habe, müssen wir das Essen nicht mehr im Schnee vergraben. Eine kleine, hocheffiziente Gefriertruhe wird es Monika erlauben, auch gegen Ende Ihrer Woche noch frisches Fleisch und Fisch auf den Tisch zu bringen.<.p>

In der großen Politik von British Columbia (wir mögen nur vier Millionen sein, aber die Provinz ist immer noch dreimal so groß wie Deutschland) ist der Landesplan angenommen, nach dem die Howsons ein Provincial Park werden. Das heißt, daß die Wildnis ungestört bleiben wird. Weder Abholzen noch Bergbau noch Dämme sind in Parks erlaubt, aber unsere Skitouren schon. Tazdli Wiyez Bin wird das Naturschutzgebiet heißen. Der Wet’suwet’en-Name läßt sich ungefähr mit ‘Wasser, das durch Seen rauscht’ übersetzen.

Was hat das mit Ihren Skitouren zu tun? Sehr viel! Es bedeutet, daß Sie immer wieder hierher kommen können, ohne Furcht, daß die eiserne Hand der Rohstoffausbeutung auf diesen wunderbaren Bergen liegt.

Dazu versuchen wir auch außerhalb der Howsons beizutragen. Der erste Scheck für CO2-Kredite geht nächste Woche an carbonfund. 30 Tonnen CO2 hat unsere Operation im letzten Jahr ausgestoßen: Ihre Anreise und der Hubschrauberflug zur Hütte. Wir sind Mitglied bei 1% for the Planet, einer Gruppe von Firmen, die 1% ihrer Bruttoeinnahmen an Umweltschutzorganisationen spenden. Rainforest Ethics, die sich um den Great Bear Rainforest an der Küste von British Columbia verdient gemacht haben, und One Sky, eine kanadische Entwicklungshilfegruppe mit Sitz in Smithers, erhielten je $500.

Derweil schneit es am Hudson Bay Mountain und die Blätter unserer Pappelwälder werden gelb. Lang dauert es nicht mehr, dann bedeckt wieder tiefer Schnee die Berge. Kommen Sie diesen Winter, um sie mit uns zu erfahren?

Mit herzlichen Grüßen

Christoph Dietzfelbinger

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